Die Verbeugung

 

ist für uns sicher die ungewöhnlichste Regel. Die Verbeugung ist eine Respektsbekundung und hat, je nachdem wann Sie ausgeführt wird, auch verschiedene symbolische Bedeutungen:

  • Die Verbeugung bei Betreten und Verlassen des Dojang
    Mit der Verbeugung beim Betreten des Übungsraums bekundet man, dass der Alltag sowie Stress und Ärger jetzt sozusagen am Kleiderhaken im Umkleideraum abgelegt wurden und man sich jetzt nur noch auf TaeKwonDo konzentriert. Beim Verlassen des Dojang bekundet man damit, dass die TaeKwonDo Übung jetzt beendet ist.
  • Die Verbeugung zu Beginn und Ende der Übungsstunde
    Zu Beginn und Ende der Übungsstunde verbeugen sich die Schüler vor dem Meister und der Meister vor den Schülern. Damit bekunden die Schüler ihren Respekt vor dem Meister (Trainer) und dessen fachlicher Autorität und Person. Umgekehrt erweist der Meister (Trainer) den Schülern ebenfalls Respekt.
  • Die Verbeugung vor und nach Partnerübungen
    Vor und nach jeder Partnerübung verbeugen sich die Partner zueinander. Dies bedeutet, dass die Übenden sich gegenseitig respektieren werden. Vor allem aber drückt der/die sich Verbeugende damit aus, dass er/sie alle Aufmerksamkeit in die Ausübung der Technik legt, so dass der Partner nicht gefährdet oder sogar verletzt wird!
  • Die Verbeugung vor und nach einem Bruchtest
    TaeKwonDo ist zur Verteidigung, und nicht zum Zerstören!

    Da beim Bruchtest etwas zerstört werden soll (z.B. ein Holzbrett), fragt der Ausübende mit der Verbeugung gegenüber dem Meister um Erlaubnis nach, ausnahmsweise etwas zerstören zu dürfen.

 

Anders als hier in Europa gehört die Verbeugung in Korea zur Höflichkeit dazu.
 

Bevor man sich einander für einen Handschlag nähert, verbeugt man sich in gebührendem Abstand und in gebührender Form vor seinem Gegenüber.

 

Dabei ist die tiefe der Verbeugung ein Ausdruck des Respekts, der dem Gegenüber entgegen gebracht wird. Trifft ein Schüler seinen Meister, dann wird die Verbeugung des Schülers tiefer sein als die des Meisters. Je angesehener eine Person ist, um so weniger stark muss sie sich selbst verneigen und um so stärker verneigt man sich zu ihr.
 

Wichtig bei der Höflichkeit ist es, das richtige Maß zu halten. Wenn man sich zu übertrieben verneigt und mit der Nase fast den Boden berührt, dann ist das lächerlich und die zu begrüßende Person wird damit verhöhnt und verliert ihr Gesicht.
 

Diese Form von Respekt ist nicht neu in Europa. Im Mittelalter haben wir es in ähnlich ausgeprägter Weise getan. Es ist nur ungewohnt, weil wir es verlernt haben.
 

Wenn ihr einen aufmerksamen Trainer/Meister habt, dann wird dieser sich über diese Form von Respekt auch außerhalb des Dojang sicher sehr freuen.

 

© 2012 Rolf Illas